Klinikum Leverkusen (Textversion)


Navigation: Startseite - Menü - Nutzungshinweise Harnblasenkarzinom - Klinikum Leverkusen
Bild: Logo - Klinikum Leverkusen Bild: Logo - Klinikum Leverkusen Bild: Logo - Klinikum Leverkusen Bild: Klinikum Leverkusen - Mittelpunkt im Gesundheitspark

Harnblasenkarzinom

Wichtige Faktoren für die Entstehung von Harnblasenkarzinomen sind chronische Blasenentzündungen, bestimmte Umwelteinflüsse und zum Teil auch Ernährungsgewohnheiten. In einem industriell geprägten Einzugsgebiet hat die Klinik für Urologie umfangreiche Erfahrungen mit Diagnostik und Therapie des Blasenkarzinoms. Zu den Umwelteinflüssen zählen auch langjährige berufliche Belastungen, wie sie bei Friseuren, Lackierern oder in chemischen Reinigungen relevant sein können. Aber auch Rauchen und der Genuss künstlicher Süßungsmittel können Blasenkrebs auslösen. Das klassische Symptom des Blasenkrebses ist die Beimengung von Blut im Urin. 95 Prozent der Harnblasenkarzinome gehen von der inneren Schleimhaut der Blase aus.

Érkrankung des Alters

In der Tumor-Rangliste rangiert das Harnblasenkarzinom auf Platz fünf. Bundesweit treten im Jahr 15.000 neue Karzinome der Harnblase auf. In der Verteilung unter den Geschlechtern ist Blasenkrebs eher eine männliche Erkrankung. Mit 10.300 jährlichen Neuerkrankungen sind Männer doppelt so häufig betroffen wie Frauen (4.700). Der Blasenkrebs tritt im Schnitt erst zwischen 65 und 70 Jahren auf, ist also eine Erkrankung des Alters. Patienten unter 50 sind selten.

Allgemeine Diagnostik

Wenn der Verdacht auf ein Harnblasenkarzinom besteht, gehört eine gründliche Berufsanamnese zu den ersten ärztlichen Maßnahmen. Die Fragen nach dem beruflichen Umfeld beziehen sich auf Kontakte mit chemischen Stoffen, wie sie zum Beispiel für Friseure und Lackierer üblich sind. Ein ganz entscheidender diagnostischer Schritt ist die Untersuchung des Urins im Labor. Blut im Urin wird hier entdeckt. In der sogenannten Urinzytologie werden Zellen der Blasenschleimhaut unter dem Mikroskop angesehen und beurteilt. Die Blasenspiegelung (Urethrozystoskopie) ist das klassische Diagnostik-Instrument des Urologen. Bei der inneren Resektion der Blase durch die Harnröhre wird Gewebe entnommen und im Labor untersucht. Bildgebende Verfahren wie die Computertomographie und das Ausscheidungsurogramm dienen der weiteren Abklärung.

Spezielle photodynamische Diagnostik

Bei sehr hoher Sensitivität und guter Spezifität entdeckt die photodynamische Diagnostik (PDD) mithilfe des Arzneimittels Hexaminolävulinsäure im Schnitt 39 Prozent mehr verborgene, aber sehr aggressive Carcinoma in Situ (CiS) und 20 Prozent mehr sonstige Tumore. Bei der Fluoreszenzzystoskopie wird eine fotoaktive Substanz, nämlich Hexaminolävulinsäure, in die Blase eingefüllt. Diese Substanz führt zu einer verstärkten Ansammlung fotoaktiver, strahlender Stoffe in bösartigen Zellen der Blasenschleimhaut. Bei der nachfolgenden Illumination mit blauem Licht strahlen die verdächtigen Zellen rot und heben sich so deutlich von der gesunden Blasenschleimhaut ab.

Das oberflächliche Harnblasenkarzinom

Wenn der Tumor an der Oberfläche der Blasenschleimhaut bleibt, ist die Prognose für den Patienten sehr günstig. Bei der transurethralen Resektion der Blase (TUR-B) wird das Tumorgewebe durch die Harnröhre oberflächlich abgeschält und Gewebeproben für die Untersuchung im Labor genommen. Wenn der Blasenkrebs nach einiger Zeit wiederkehrt, können Chemotherapeutika wie Mitomycin C unmittelbar nach dem Abschälen in die Blase eingebracht werden (Frühinstillation). Um die Wiederkehr des Tumors zu verzögern und eine Ausbreitung zu verhindern, stehen Chemotherapeutika oder eine Immuntherapie mit dem Bacillus Calmette-Guérin (BCG) zur Auswahl. Auf den ersten Blick unsichtbare Tumore (Carcinoma in situ) werden klassischerweise durch eine BCG-Instillation behandelt.

Das muskelinvasive Harnblasenkarzinom

Wenn der Blasentumor ins Muskelgewebe bzw. in umliegende Strukturen eingedrungen ist, wird eine Heilung durch operative Entfernung der Blase angestrebt. Als Alternative zur offenen Blasenentfernung (Zystektomie) wird die schonendere „Schlüsselloch-Operation“ angeboten. Dabei reichen kleine Einschnitte zur Entfernung der Blase aus. Entscheidende Vorteile der „Schlüsselloch-Chirurgie“ sind die milderen Folgen der Operation und eine zügige Rehabilitation nach dem Eingriff. Dabei spielen sowohl der extrem geringe Blutverlust während der Operation als auch die schonende Verringerung des Wasser- und Elektrolytverlustes durch das geschlossene Abdomen wichtige Rollen. Herz und Kreislauf werden so entlastet. Im Schnitt ist ein zehn bis zwölf Tage andauernder Aufenthalt im Krankenhaus notwendig.

Die kontinente Harnableitung

Eine kontinente Form der Harnableitung ist die Anlage einer Ersatzblase aus etwa 75 cm Dünndarm. Für diesen Harnblasenersatz werden Darmteile zu einer Kugel vernäht und dann nach oben und unten mit den Harnleitern und der Harnröhre verbunden. Damit entsteht ein Reservoir für den Urin, der auf natürlichem Weg über die Harnröhre entleert wird. Ursprünglich für Männer entwickelt ist die Ersatzblase heute für Mann und Frau gleichermaßen möglich. Voraussetzung dieser Therapie ist eine gesunde und voll funktionstüchtige Harnröhre. Wenn Schließmuskel oder Harnröhre ebenfalls entfernt werden müssen, besteht die Möglichkeit, eine kontinente Ersatz-Harnblase mit Bauchnabelanschluss anzulegen. In diesem Fall wird die Ersatzblase Pouch genannt und ist ein großes Reservoir aus Dick- und Dünndarm. Durch ein Stück Dünndarm wird der Pouch mit dem Nabel verbunden. Die Patienten können den Urin dann mit einem Katheter selbst entleeren (Selbst-Katheterisierung).


Rehabilitation
Ein wichtiger Bestandteil der Rehabilitation für Patienten mit einem Harnblasenkarzinom ist das Kontinenztraining, ergänzt durch medikamentöse Beratung. Wenn ein kontinenter Pouch angelegt wird, trainiert die Pflegefachkraft mit dem Patienten, wie man richtig katheterisiert. Individuelle Beratung in der Schmerztherapie, Physiotherapie und Psychotherapie können gleichfalls Bestandteile der Rehabilitation sein.

Die inkontinente Harnableitung

Das Urostoma ist ein künstlich geschaffener Ausgang im rechten Unterbauch. Ohne Blase werden die beiden Harnleiter über ein Stück Dünndarm mit dem Stoma, also der Hautöffnung, verbunden. Der Harn wird in einem besonderen Klebebeutel (Stomabeutel) aufgefangen, der dann gewissermaßen als Blasenersatz dient. Diese Konstruktion heißt Ileum-Conduit. Wenn statt des Dünndarms ein Teilstück des Dickdarms zur Ableitung des Harns an die Hautoberfläche nach Blasenentfernung verwendet wird, spricht man von einem Colon-Conduit.


Rehabilitation
Aller Anfang ist schwer, auch ein Leben mit dem Stoma. Deshalb hilft Ihnen der Stomatherapeut, der auf diese Form der Rehabilitation spezialisiert ist. Zunächst wird die beste Stelle zur Anlage eines Stomas gesucht. Konkret trainiert der Stomatherapeut mit dem Patienten den Umgang mit dem neuen „Körperteil“. Eine praktische Anleitung zur Selbstversorgung gehört ebenso dazu wie die Beschaffung von Hilfsmittelnachschub und Tipps für die richtige Ernährung.


Direktnavigation: Impressum - Übersicht - Zur normalen Darstellung