Klinikum Leverkusen (Textversion)


Navigation: Startseite - Menü - Nutzungshinweise Therapie bei Bauchfellkrebs - Peritonealkarzinose - Klinikum Leverkusen
Bild: Logo - Klinikum Leverkusen Bild: Logo - Klinikum Leverkusen Bild: Logo - Klinikum Leverkusen Bild: Klinikum Leverkusen - Mittelpunkt im Gesundheitspark

Behandlungsoptionen bei Bauchfellkrebs 

HIPEC und PIPAC innovativste Optionen bei Peritonealkarzinose 

Bauchfellkrebs ist eine sehr schwere Form der Krebserkrankung und betrifft jedes Jahr geschätzt mindestens 20.000 Menschen in Deutschland. Lange Zeit galt die auch als „Peritonealkarzinose“ bezeichnete Ausbreitung von Tumor entlang des Bauchfells als kaum therapierbar und nicht sinnvoll operierbar.


Grob existierten zwei unterschiedliche Formen von Bauchfellkrebs:

  1. Zum einen solche, bei denen der Tumor direkt aus Zellen im Bauchfell entsteht. Die primären Peritonealkarzinome zählen zu dieser Gruppe wie auch die im Bauchraum entstehenden abdominellen Mesotheliome.
  2. Weit häufiger sind aber Bauchfellkrebserkrankungen, bei denen sich Zellen aus Tumoren anderer Organe im Bauchfell einnisten und ausbreiten. In diesen Fällen spricht man von der Peritonealkarzinose. Am häufigsten gehen Peritonealkarzinosen von Eierstocktumoren (Ovarialkarzinomen) sowie bösartigen Tumoren von Magen und Dickdarm (Magenkarzinom, Kolonkarzinom, Rektumkarzinom) aus. 

Die moderne onkologische Chemotherapie verfügt zwar heute über eine ganze Reihe von Medikamenten, mit denen Bauchfellkrebs behandelt werden kann. Leider kommt es im Verlauf jedoch oft zu einem Wirkverlust der Medikamente oder zu unerwünschten Nebenwirkungen, die eine Fortsetzung der Therapie unmöglich machen. Oft ist das Behandlungsziel der Peritonealkarzinose palliativ, d.h. die Symptomlinderung und Verlängerung des Lebens steht im Vordergrund.

Operative Behandlungsmöglichkeiten

Das Ziel der Operation von Bauchfellkrebserkrankungen ist eine maximale operative Tumorentfernung oder „Zytoreduktion“. Ein wesentlicher Teil des Eingriffs ist die Entfernung des erkrankten Bauchfells (Peritoneums), die sogenannte Peritonektomie.


Das Bauchfell kleidete sowohl die Außenwand des Bauchraums als innerste Schicht wie eine „Tapete“ aus. Man spricht vom parietalen („äußeren“) Peritoneum. Aber auch die meisten im Bauchraum befindlichen Organe sind von einer dünnen Bauchfellschicht überzogen, dem sogenannten viszeralen Peritoneum.


Das äußere (parietale) Peritoneum lässt sich mit einem elektrischen Messer von der Bauchwand abziehen ohne dass dies zu einer Schwächung der Bauchwand führt. Das unmittelbar den Organen aufliegende viszerale Peritoneum kann nur teilweise von der Organoberfläche abgelöst werden, wie beispielsweise an der Leber. Bei anderen Organen, zum Beispiel am Darm, kann das Bauchfell nicht unter Organerhalt entfernt werden. Hier müssen die betroffenen Organanteile mit entfernt werden.


Zur vollständigen Tumorentfernung ist daher oft ein sehr ausgedehnter operativer Eingriff notwendig. Dieser ist meist nur dann sinnvoll, wenn eine komplette Tumorentfernung möglich ist oder ein nur minimaler Resttumor verbleibt, der realistisch durch eine lokale Chemotherapie (hypertherme intraperitoneale Chemotherapie (HIPEC)) behandelt werden kann.


Bei Vorliegen von Fernabsiedlungen in anderen Organen ist die operative Behandlung der Peritonealkarzinose in der Regel nicht indiziert. Auch kann die operative Behandlung nicht mehr sinnvoll sein, wenn es nicht möglich ist, den Tumor komplett oder nahezu komplett zu entfernen. Dies kann beispielsweise bei ausgedehnter Tumorausbreitung entlang des Dünndarms der Fall sein; eine Situation, in der die operative Tumorbeseitigung nur durch komplette Entfernung des Dünndarms herzustellen wäre. In vielen Fällen kann dann eine Behandlung durch eine lokale Chemotherapie (PIPAC) erfolgen.

Zytoreduktive Chirurgie und HIPEC

Unter dem Begriff der "Zytoreduktiven Chirurgie und HIPEC" verbirgt sich ein Behandlungskonzept für Bauchfellkrebserkrankungen, das aus einer maximalen operativen Tumorreduktion und einer in gleicher Sitzung intraoperativ stattfindenden heißen Chemotherapiespülung des Bauchraums besteht.


Der Begriff HIPEC steht für Hypertherme IntraPEritoneal Chemotherapie. Die Chemotherapiespülung erfolgt mit einer Medikamentenlösung, die bei einer Temperatur von ca. 42 °C mit einer speziellen Apparatur im Bauch verteilt wird. Durch die hohe Temperatur kann die Chemotherapie besser in kleine Resttumoren eindringen, die der operativen Tumorentfernung entgangen sind. 


Die Methode ist wissenschaftlich recht gut untersucht für primäre Tumorerkrankungen des Bauchfells, wie die sogenannten Mesotheliome, für die Behandlung von Magen- und Dickdarmkrebserkrankungen mit geringem Befall des Bauchfells sowie für bestimmte schleimbildende Tumorerkrankungen, die oft vom Blinddarm ausgehen und ein sogenanntes „Pseudomyxoma peritonei“ ausbilden können. Durch massive Schleimabsonderungen in den Bauchraum kommt es dann zu einer erheblichen Druckerhöhung im Bauchraum und zur Kompression der Bauchorgane, was erhebliche gesundheitliche Probleme verursacht.


Bei den operativen Eingriffen zur maximalen Tumorreduktion handelt es sich fast immer um wirklich große chirurgische Eingriffe mit Gesamtoperationsdauern von oft mehr als acht Stunden.


Die Indikation für die Anwendungen einer der genannten operativen Methoden stellt grundsätzlich ein interdisziplinäres Tumorboard.

Druckinduzierte intraperitoneale Aerosol-Chemotherapie PIPAC

Bei der mit dem Begriff PIPAC bezeichneten Methode werden im Rahmen einer Bauchspiegelung unter Narkose Chemotherapeutika im Bauchraum vernebelt. PIPAC ist eine englischsprachige Abkürzung ("Pressurized IntraPeritoneal Aerosol Chemotherapy") und steht übersetzt für "druckinduzierte intraperitoneale Aerosol-Chemotherapie". 


Das Aerosol ist ein Medikamentennebel aus Chemotherapeutika, die auch bei der konventionellen Chemotherapie zum Einsatz kommen. Der Medikamentennebel hat die Eigenschaft, sich hervorragend im Bauchraum zu verteilen. Zudem scheint der bei der Anwendung im Bauchraum herrschende Überdruck ein besonders gutes Eindringen der Medikamente in den Tumor zu bewirken. Die Methode wurde bisher vorwiegend bei Bauchfellkrebs (Peritonealkarzinosen) von Magen- und Eierstock-(Ovarial-) tumoren sowie von Dickdarmtumoren angewendet. Insbesondere wird die PIPAC-Methode in solchen Situationen eingesetzt, in denen die üblicherweise über die Venen verabreichten Chemotherapeutika nicht mehr wirksam sind oder wegen unerwünschter Nebenwirkungen nicht mehr gegeben werden können.


Die PIPAC ist als operative Methode zwar relativ aufwendig, insgesamt aber für den Patienten meist weniger belastend als eine intensive, über die Vene verabreichte Chemotherapie.


Die PIPAC wird überwiegend bei fortgeschrittener Peritonealkarzinose eingesetzt. Eine Heilung der Tumorerkrankungen durch die PIPAC ist sehr unwahrscheinlich. Gleichwohl ermöglicht die PIPAC in vielen Fällen den Tumor mit geringen Nebenwirkungen sehr effektiv zu behandeln, was vielen Menschen mit fortgeschrittenen Bauchfellkrebserkrankungen zusätzliche Lebenszeit bei guter Lebensqualität gibt.

Interdisziplinäre Betreuung

Die adäquate Behandlung von Patienten mit der schwierigen Diagnose Bachfellkrebs ist komplex und erfordert die erfolgreiche und patientienorientierte Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen, z.B. neben der Onkologie und Chirurgie auch Gynäkologie, Gastroenterologie, Anästhsiologie und Palliativmedizin sowie das gesamte Spektrum der fachkompetenten Pflege, Ernährungsmedizin und Psychoonkologie.


Im Klinikum Leverkusen arbeiten diese Fachbereiche tagtäglich Hand in Hand für das Wohl des Patienten. Wir bieten damit ideale Voraussetzungen solch innovativen, ganzheitlichen Therapiekonzepte umzusetzen und weiterzuentwickeln.


Direktnavigation: Impressum - Übersicht - Zur normalen Darstellung